Sie tanzen. Sie tanzen langsam, eng aneinandergeschmiegt, hingebungsvoll, und dazu singt die tiefe Frauenstimme auf französisch, mit dem Dialekt der Kolonien, von der Liebe und vom Schmerz. Sie könnten auch Franzosen sein; er hat das markante Gesicht der Provencalen, sie ist das Idealbild der Garconne. Sie tanzen sehr anmutig, und es ist für dich gut so, denn es ist ein sehr schöner Anblick, wenn das Personal in einem Cafe hingebungsvoll tanzt, und du hast Zeit, zumindest bis das Stück zu Ende ist, die Frauenstimme verklingt, denn solang dauert es, bis dein Darjeeling 2. Ernte ausreichend gezogen hat. Dann ist die Musik aus, sie trennen sich, lächeln sich an, und er bringt deinen Tee, nicht ohne auf die Vorzüge hinzuweisen, und es tut dir fast leid, du hättest gerne noch etwas gewartet und zugeschaut, und vielleicht würdest du auch selbst gern mit ihr tanzen.
Du hast also Zeit, weil du zu früh losgefahren bist, und sie pünktlich, aber nicht überpünktlich ist. Es ist gut so, denn du kannst dir den Platz frei raussuchen, und du nimmst natürlich die braunen Lounge Chairs ganz hinten, wo die EKA.Cafe.Bar besonders intim und entspannt ist. Es ist nicht so, dass die anderen Sitzecken quasi auf dem Präsentierteller liegen; tatsächlich ist der Raum verwinkelt, der Blick wird oft abgelenkt, von der Weltkarte an der Decke, von den lederbespannten Decken, die eine ganz andere Atmosphäre schaffen als die Lederwülste im Greenwich,
wohin du ab und zu mit den angeblichen Top Dogs der digitalen Wirtschaft gehst. Es ist also kein Cafe zum Gesehen werden, aber ganz hinten, wo man in den tiefen Polstern versinkt, bleibt man unter sich. Die Musik ist hier eher leise, die Akustik ist gedämpft, und niemand ist gezwungen, dem anderen ins Ohr zu brüllen - wenn man sich hier körperlich nahe kommt, dann nur in voller Absicht.
Sie ist also noch nicht da, hastet durch den kalten Abend über die zerborstenen Gehwegplatten, und du wunderst dich, was nun eigentlich den Reiz dieses Ortes ausmacht. Kann sein, dass er an deine sorgsam verdrängten, kolonialen Vorstellungen vom Leben appelliert, denn fraglos ruft das Ambiente diese Assoziationen hervor, ohne es geographisch genau zu definieren; es könnte Brasilien sein, Portugal (was es eigentlich ist, aber du hast in Portugal gelebt und weißt, dass es dort nicht so ist) Laos, Namibia, Ceylon, Vietnam, Marokko; vor allem aber auch ein Land, aus dem die heisse Schokolade kommt, die die Spezialität des Hauses ist; eine Schokolade, die nichts mit dem wässrigen Gesöff zu tun hat, mit der sonst unter diesem Begriff der Gast betrogen wird. Hier ist die Schokolade dick, süss, herb, intensiv und weich wie langer Kuss in einem kalten Hausflur, der über die kommende Nacht entscheidet, und das Material wird im Schokoladengeschäft nebenan in einer grossen Maschine so fein geraspelt, wie der Zweifel die Hoffnung in Unsicherheit zerreibt.
Vielleicht ist es aber auch nur das indirekte Licht, das du aus so vielen Lokalen kennst und das einen gewissen Hautgout besitzt, aber hier gefällt es dir wieder, weil es alle Farben in Schattierungen eines weichen Sepiabrauns verwandelt; es sieht aus wie in diesen alten französischen Filmen, in denen sich die Protagonisten internationaler Herkunft auf ihrem rastlosen Weg über den Globus zufällig begegnen und sich nächtelang nur unterhalten; wenn sie über ein Fischrestaurant in Peschiera spricht, erinnert er sich der engen Gassen der einzigartigen Stadt Verona, ihr Gespräch eilt weiter nach Süden zu Siena und den Lorenzettis in der Pinakotheca, dann wieder hinauf zu den romanischen, weissrot gestreiften Kirchen von Mailand, die aussehen wie die Füllung einer Torte, und dann redet man über das Essen, profanes und sakrales heiter gemischt, wie man es eben nur in französischen Filmen tut, mit diesem Licht und diesen Farbtönen wie hier in der EKA.Cafe.Bar
Du überlegst, wie sie in diesem Licht wohl aussehen wird, wenn sie denn kommt, aber da tanzen sie vorne wieder, und dein Leben ist schön.
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EKA.Cafe.Bar,
Dunckerstrasse 9,
10437 Berlin
Preise €
Kompliment! Eine so gute Beschreibung, daß ich fast die 2 Straßen bis dahin gehe, um dort die verboten gute Schokolade trinken soll. So schwer, daß man fast zu Messer und Gabel greifen könnte. Aber auch großartig sind die Blätterteigpasteten mit Hackfleisch und Schokolade nach einem Rezept der Maya. Und mit einem südamerikanischen Indianerstamm habe ich irgendwie auch die hübsche Bedienung in Verbindung gebracht. Und da sag noch einer, daß Schokolade nicht den Geist beflügelt.