Umstände, die zu erklären jetzt hier zu höherer Langatmigkeit führen würden, verschlugen mich nach Münster. Nun ist man geneigt, jenes possierliche Westfalenstädtchen ob einer gewissen Rundgelutschtheit und Studentizität pauschal zu verurteilen, immerhin ist es Heimat einer der überschätztesten Brauerein überhaupt (Pinkus Müller), in der eines der kohlensäureärmsten Biere der Welt gebraut wird.

Man stolpert, die Schwester besucht habend, eine deprimierende Klinkerbau-Umgehungsstraße namens "Bohlweg" entlang und läuft am "Midi" vorbei.



Das sieht ja süß aus. Kuckt man mal auf die Karte. Ein französisches Restaurant. Kann das gut gehen? Die Tochter kräht, sie will da rein. Sie hat Gespür. Gut, gehen wir rein. Sofort sind wir in einem mit Frankreichdevotionalen vollgestellten Restaurant, in der uns eine unglaublich nette, flinke und lustige Kellnerin wie jahrelange Stammgäste begrüßt. Eine gute Anisette und Wasser und Weinchen bestellt, keine Minute später sind die Getränke an unserem Tisch und nun schauen wir hungrig in die Karte. Die Gattin isst eine Lachsschnitte, die Tochter bestellt ein Lammcouscous und man selbst eine Portion Boeuf Bourgignon.

Ein kurzer Probegang auf die Toilette: sauber und makaber.



Es ist gemütlich da drin. Es sind nette Menschen da. Sie haben alle schon fertig studiert. Sie rauchen gemütlich das Restaurant voll und es wird von Minute zu Minute netter. Das Essen kommt. Das Essen! Hmm, ist das fein. Das Boeuf Bourgignon ist zartest und wohlgewürzt, so wie es in der heiligen Schrift steht. Das Lammcouscous der Tochter ebenfalls, es hat ordentlich Schwung. Die Lachsschnitte der Gattin ist bissfest, hat eine krosse Kruste und das dazu gereichte Gemüse mundet vorzüglich. Man muss sich das Essen vorstellen, wie irgendwo in Südfrankreich auf dem Land. Einfache Teller und Gläser, das Essen wird ohne großes Aufhebens hingestellt, die Portionen sind großzügig. Richtig schöne, bäuerliche Landhausküche. Die Tochter wird mit Stiften und Papier versorgt und fängt friedlich an Bilder zu malen. Mhm, noch ein Gläschen Brideau.

Wir zahlen für drei satte, zufriedene Menschen schlappe 48 Euro, kriegen ein extra-Eis fürs Kind auf Kosten des Hauses und sind's zufrieden. Falls wir jemals wieder nach Münster müssen, dann kommen wir wieder in dieses Kleinod.

Le Midi
Bohlweg 37
48147 Münster
(0251) 445 39


Nur Cash, keine Karten.

stadtplanlink
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jochenausberlin, 5. Februar 2007, 22:17
Ihr kommentar    


am 6. Februar, 09:39  kommentierte supatyp

keine Karten

kapier ich nicht
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Es gibt seit einigen Jahren so lustige Plastikkarten, da steht "EC" oder "VISA" oder "MASTERCARD" drauf. Verrücktes Zeug, ich weiß.
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ich kapiere nicht

daß man in so einem lokal keine karten akzeptiert, als würde man immer mit nem bündel geldscheine wie son gebrauchtwagenhändler rumrenn
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ach so. vielleicht hat das dort, hüstel, steuerliche gründe.
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48ocken ist doch portokasse, das hab ich im allgemein lose dabei.
viel nerviger ist doch akzeptanz nur bestimmter karten.
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weiß ich doch vorher nich

genau, was ich da auffen kopf hau an geld, höchstens ungefähr. und noch schlimmer is ja während des bestellens nachrechnen, ob man über portokassenlimit ge.com ist
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die kreditkartentypen wollen ja soviel prozente von den wirten, da entscheiden die sich schon mal gegen karten.
kann ich verstehen. auch wenn es manchmal nervt.
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Le Midi: auch ich fands super

Münster an sich ist wie viele Städte dieser Größe ein 50/50-Fall: den einen ist es zu winzig und piefig, die anderen lieben es ob der kurzen Wege und der (wirklich hohen)Lebensqualität. Neben dem samstäglichen Markt mit seinen Käsestraßen habe ich das frz. Restaurant als einen Höhepunkt erlebt und fand Atmosphäre und Essen ebensogut wie der Rezensent.Schön fand ich auch, dass man ungefragt einen Krug Wasser zum Wein bekam - andernorts muss man für ein Gläschen Wasser regelrecht kämpfen. Wir hatten Couscous mit Ratatouille und eine Quiche, beides sehr liebevoll zubereitet und mit so-muss-es-schmecken-Feeling. Nett sind die Tische draußen: die Tischflächen wurde aus Verkehrsschildern hergestellt. Schade nur, dass man direkt auf den Aldi-Parkplatz blickt. Aber man kann sich ja zum schnuckligen Häuschen drehen. Der nächste Geldautomat ist übrigens nicht weit weg.
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