L´Escargot
Unitalienisch sowieso, aber auch extrem unfranzösisch. Ganz gleich, wie sehr diese Stadt mit ihren neu gebrandeten Carreés und Quartiers angibt, sie bleibt so unpariserisch wie das langgezogene Fladenbrot, das die Türken hier als Baguette verkaufen. Allenfalls die Slums am Stadtrand von Paris ähneln den zentrumsnahen Teilen Berlins. Ansonsten ist Paris so sehr die Hauptstadt der Grande Nation, wie Berlin die ehemalige Frontstadt ist, die noch immer nicht weiss, wie sie mit dem Umstand umgehen soll, dass jetzt Friede ist und die Soldatenverpflegung nicht mehr kommt. Berlin wie Paris? Mais non, würden deine französischen Freunde sagen. Sie sind höflich. Und bald nicht mehr da.
Aber natürlich hat die Stadt schon früher versucht, sich nach Frankreich zu orientieren, schliesslich ist auch Potsdam an Versailles angelehnt, und auch die früher reichen Bürger leisteten sich französischen Schick, und auf dessen Spuren, bei den Wohnungsauflösern, Trödlern und Antiquitätenhändlern führt es dich in die noch intakten, fast idyllischen Wohngegenden des Weddings, wo die Strassen relativ sauber, die Wande nicht verschmiert und die Häuser halbwegs gepflegt sind. Mitunter hängen hier noch Kronleuchter statt der üblichen nackten Glühbirnen von der Decke, Marmor glänzt matt in den Hausfluren, die Gegend der Brüsseler Strasse war früher gar nicht schlecht.
Du kriechst langsam die Strasse runter, um ja keinen Laden zu übersehen, behutsam lauernd, denn du hast Zeit, und hier fährt sowieso keiner ausser dir. Die Hektik der Müllerstrasse gen Mitte verschweindet, es wird sehr bürgelich, rechts sitzen ein paar Leute auf der Strasse, und du siehst das Schild über dem Lokal, und da steht: L´Escargot, die Schnecke, na prima, denkst du dir, wer hier schon mit dieser wenig beliebten Spezialität wirbt, muss es wohl ernst meinen mit den französischen Ansprüchen - und du hast heute Abend ohnehin ein Date, und französisch, das wäre doch mal wieder schön...
Zwei Stunden später bist du dann mit ihr im kräftig gelb gepinselten Restaurant, und genau das ist es, mit einer ordentlichen Karte voller französischer Standardts, mit Rind, Schwein, Poulle au Pot, Fisch und einer grossen Auswahl an vegetarischen Gerichten, die genau einmal durch Gallien führt, vom kühlen Spargel des Nordens über den Blumenkohl der Ile de France hinunter in die Pellkartoffeln des Midi bis ganz in den Süden, wo es mit Tomaten, Oliven, Ruccola und gut geriebenem Parmesan an den Bratkartoffeln nach Alpes Maritime mit Blick Richtung Riviera duften. Und schmecken.
Im Gegensatz zu den geleckten Pseudo-Nüväl-Küsins in Mitte ist das hier herzhaft, ein wenig ländlich-rustikal, auch wenn die Musik sehr cool und nicht zu laut ist. Es gibt Salz und Pfeffer aus Mühlen, der Koch hat sich was dabei gedacht, die Weinkarte ist grandios und der Tee - nun, auf seine Art sehr französisch, nicht britisch - und vielleicht ist das ja das Restaurant, mit dem du deine französischen Freunde etwas mit dieser Stadt ein wenig versöhnen kannst - und hoffentlich demontieren sie s nicht und nehmen es als Reparationszahlung nach Frankreich mit, denn solche Schnecken, die gehören hier eigentlich unter Artenschutz gestellt.
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L´Escargot
Brüsseler Straße 39
13353 Berlin
030 / 45 31 563
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don alphonso, 19. Mai 2005, 03:55
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Restaurant Mesa - Berlin
Es gibt Abende, spontane Situationen, an denen braucht man ein verlässliches Restaurant. Ein Restaurant, in welchem auf wundersame Weise immer ein Tisch für zwei frei ist, ein Restaurant in dem das Essen stets frisch, liebevoll zubereitet und schmackhaft ist. Ein Restaurant ohne böse Überraschungen. Das Mesa ist so ein Fall. Hier wird libanesisch gekocht, und zwar vom Allerfeinsten. Schwerpunkt und Namensgeber dieses Restaurants sind die in anderen Restaurants lieblos als "Vorspeisen" abgekanzelten Kleingerichte, die man beliebig miteinander kombinieren kann. Darunter finden sich natürlich libanesische und persische Klassiker wie das Hommos oder Tabouleh, aber auch aromatische Lammhackbällchen (Kibeh boule), marinierte Hähnchenspieße (Shikh tawouk) u.v.a.
Wer eher reaktionär unterwegs ist und eine klassische Menüfolge braucht, kann auch dies haben; es gibt eine wunderbar frische, mit Zitrone abgeschmeckte Linsensuppe, einen Lammrücken mit grünen Bohnen, dessen Zartheit die Tränen in die Augen treibt; auch der mit Zwiebeln und Mandeln versehene Seelachs schmeckt vorzüglich. Vegetarier können sich an einer Seltenheit erfreuen: Einem Couscous, das NICHT langweilig vor sich hindümpelt, sondern mit erlesenen Gewürzen und in bestem Olivenöl geschwenkt ganz neue Geschmackswelten auftut. Die Weinkarte ist klein und fein, besonders empfehlenswert die zu Unrecht kaum bekannten Weine des Weinguts "Ksara" aus dem Bekaa-Tal. Die "Réserve du Couvent" duftet nach Schokolade und Beeren und bekommt durch den Syrah-Anteil einen nachgerade feuerwerksartigen Nachgeschmack. Der ebenfalls einwandfreie Château Ksara Rouge wird sogar als offener Wein serviert und ist dank der guten Nachfrage bedenkenlos trinkbar. Der mit Kardamom gewürzte Mokka gibt gemeinsam mit einem Arrak, der geschmacklich genau zwischen Pernod und Raki liegt, beste Gefühle im ganzen Körper. Hervorzuheben auch der Kellner, der scheinbare Schlafmützigkeit und Charme aufs Hervorragendste vereint.
Im Mesa isst man stilvoll, aber nicht etepetete. Kinder sind willkommen und kriegen auch bizarre Sonderwünsche erfüllt, z.B. handgeschnitzte Pommes Frites.
Restaurant Mesa
Paretzer Str. 3
10713 Berlin
(030) 822 53 64
tgl. außer SO 16-24 Uhr
EC-Karte
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jochenausberlin, 17. April 2005, 18:37
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Falafel King
Falafel King, Graefestr., Berlin-Kreuzberg
beim falafel king draussen steht dran, man solle mal auf seine ernaehrungspyramide schauen. ich konnte die zwar nirgends entdecken, aber der mann hat eine mission.
wir unterhielten uns sehr gut ueber frisch gepresste saefte und ihren effekt auf den koerper und ob es sinn macht, fuer alles extra maschinen zu haben, oder ob man zu hause nicht doch alles mit den haenden und einem guten messer verrichten kann...
gut, den frisch gepressten moehren/apfelsaft, den er uns kredenzte, den schnitz ich mir eher nicht...
dazu gab es ein leckeres falafel, superfrisch und mit allen leckeren belaegen, die man so erwartet. und guenstig.
ein empfehlenswerter laden!
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mutant, 3. April 2005, 01:51
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Im Refugium der Herrgottsb'scheißerle
Wer das Pech hat, sein Bürozelt in unmittelbarer Nähe des Berliner Springer-Hauses aufgeschlagen zu haben, der weiß wie schwer es ist, eine Mittagsmahlzeit zu bekommen, ohne nebenher das Gesabbel von Lautsprechern und Dickdenkern ertragen zu müssen. Drum lebe das
Maultäschle. Ein winziger Laden, in dem herzzerreißend gut gekocht wird. Geführt wird dieser Laden von Sevim und Alfons Kern. Sevim ist eine propere Dame türkischer Herkunft, ihr Gatte Alfons ein wohlgenährter, gemütlicher Schwabe. Und diese türkisch-schwäbische Vereinigung kommt in der Küche zur Vollendung. Es gibt die besten Maultaschen Berlins, auch mal mit kreativer Steinpilz- oder Lammhack-Füllung. Es gibt perfekt abgeschmecktes anatolisches Kisir. Es gibt ein Hommos, das seinesgleichen sucht. Und die Spätzle lassen die Sonne aufgehen. Gern wird auch Mittags einfach mal ein Glaserl Wein eingeschenkt, und wer es etwas niedriger aufgehängt mag, der öffnet sich ein Rothaus Tannenzäpfle und spielt versonnen mit dem Kronkorken, während Alfons Kerns gemütlich-schwäbisches Idiom im Hintergrund umherrollt. Wer monatlich mehr als einmal vorbei kommt, wird von Alfons auch gerne mal ohne weitere Vorwarnung fest in den Arm genommen. Und das Publikum: Angenehm.
Link zur aktuellen Speisekarte
Maultäschle
Charlottenstr. 79/80
10117 Berlin
U6 Kochstr., Bus 129, 148
030/22488600
Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa 10-18 Uhr, So geschlossen
EC-Karte
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jochenausberlin, 8. März 2005, 12:23
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EKA.Cafe.Bar
Sie tanzen. Sie tanzen langsam, eng aneinandergeschmiegt, hingebungsvoll, und dazu singt die tiefe Frauenstimme auf französisch, mit dem Dialekt der Kolonien, von der Liebe und vom Schmerz. Sie könnten auch Franzosen sein; er hat das markante Gesicht der Provencalen, sie ist das Idealbild der Garconne. Sie tanzen sehr anmutig, und es ist für dich gut so, denn es ist ein sehr schöner Anblick, wenn das Personal in einem Cafe hingebungsvoll tanzt, und du hast Zeit, zumindest bis das Stück zu Ende ist, die Frauenstimme verklingt, denn solang dauert es, bis dein Darjeeling 2. Ernte ausreichend gezogen hat. Dann ist die Musik aus, sie trennen sich, lächeln sich an, und er bringt deinen Tee, nicht ohne auf die Vorzüge hinzuweisen, und es tut dir fast leid, du hättest gerne noch etwas gewartet und zugeschaut, und vielleicht würdest du auch selbst gern mit ihr tanzen.
Du hast also Zeit, weil du zu früh losgefahren bist, und sie pünktlich, aber nicht überpünktlich ist. Es ist gut so, denn du kannst dir den Platz frei raussuchen, und du nimmst natürlich die braunen Lounge Chairs ganz hinten, wo die EKA.Cafe.Bar besonders intim und entspannt ist. Es ist nicht so, dass die anderen Sitzecken quasi auf dem Präsentierteller liegen; tatsächlich ist der Raum verwinkelt, der Blick wird oft abgelenkt, von der Weltkarte an der Decke, von den lederbespannten Decken, die eine ganz andere Atmosphäre schaffen als die Lederwülste im Greenwich,
wohin du ab und zu mit den angeblichen Top Dogs der digitalen Wirtschaft gehst. Es ist also kein Cafe zum Gesehen werden, aber ganz hinten, wo man in den tiefen Polstern versinkt, bleibt man unter sich. Die Musik ist hier eher leise, die Akustik ist gedämpft, und niemand ist gezwungen, dem anderen ins Ohr zu brüllen - wenn man sich hier körperlich nahe kommt, dann nur in voller Absicht.
Sie ist also noch nicht da, hastet durch den kalten Abend über die zerborstenen Gehwegplatten, und du wunderst dich, was nun eigentlich den Reiz dieses Ortes ausmacht. Kann sein, dass er an deine sorgsam verdrängten, kolonialen Vorstellungen vom Leben appelliert, denn fraglos ruft das Ambiente diese Assoziationen hervor, ohne es geographisch genau zu definieren; es könnte Brasilien sein, Portugal (was es eigentlich ist, aber du hast in Portugal gelebt und weißt, dass es dort nicht so ist) Laos, Namibia, Ceylon, Vietnam, Marokko; vor allem aber auch ein Land, aus dem die heisse Schokolade kommt, die die Spezialität des Hauses ist; eine Schokolade, die nichts mit dem wässrigen Gesöff zu tun hat, mit der sonst unter diesem Begriff der Gast betrogen wird. Hier ist die Schokolade dick, süss, herb, intensiv und weich wie langer Kuss in einem kalten Hausflur, der über die kommende Nacht entscheidet, und das Material wird im Schokoladengeschäft nebenan in einer grossen Maschine so fein geraspelt, wie der Zweifel die Hoffnung in Unsicherheit zerreibt.
Vielleicht ist es aber auch nur das indirekte Licht, das du aus so vielen Lokalen kennst und das einen gewissen Hautgout besitzt, aber hier gefällt es dir wieder, weil es alle Farben in Schattierungen eines weichen Sepiabrauns verwandelt; es sieht aus wie in diesen alten französischen Filmen, in denen sich die Protagonisten internationaler Herkunft auf ihrem rastlosen Weg über den Globus zufällig begegnen und sich nächtelang nur unterhalten; wenn sie über ein Fischrestaurant in Peschiera spricht, erinnert er sich der engen Gassen der einzigartigen Stadt Verona, ihr Gespräch eilt weiter nach Süden zu Siena und den Lorenzettis in der Pinakotheca, dann wieder hinauf zu den romanischen, weissrot gestreiften Kirchen von Mailand, die aussehen wie die Füllung einer Torte, und dann redet man über das Essen, profanes und sakrales heiter gemischt, wie man es eben nur in französischen Filmen tut, mit diesem Licht und diesen Farbtönen wie hier in der EKA.Cafe.Bar
Du überlegst, wie sie in diesem Licht wohl aussehen wird, wenn sie denn kommt, aber da tanzen sie vorne wieder, und dein Leben ist schön.
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EKA.Cafe.Bar,
Dunckerstrasse 9,
10437 Berlin
Preise €
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don alphonso, 25. Februar 2005, 11:13
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