Hotel Pelirocco, Brighton

Ein Zufall führte mich 2001 ins Hotel Pelirocco (Flash-Alarm!), ein Jahr nach seiner Eröffnung. Im Frühsommer hatte ich Geschäftstermine am Südende von London, und da sie auf Donnerstag und Freitag lagen, konnte ich ein Wochenende Brighton dranhängen. Da ich endlich nicht mehr auf die billigst mögliche Unterkunft angewiesen war, suchte ich im Internet irgendetwas Ausgefallenes in der mittleren Preiskategorie – und stieß auf ein Juwel.

Jedes Zimmer des Pelirocco ist völlig anders gestaltet, meist haben die Themen Bezug zu einer Musikrichtung oder dem Stil einer Berühmtheit. Da gibt es ein Zimmer zu Ehren des Plattenladens „Rough Trade Record Shop“, eines zu Jamaikanischer Musik, zu Muhammad Ali, zu Jamie Ried; eines heißt „Modrophenia“, eines „Hysteric Gamlour“, die Band Asian Dub Foundation stand Pate für ein weiteres, dazu kommen unter anderem zwei Zimmer im Gedenken an Pin-ups (Betty Page und Diana Dors). Auch nachdem das Konzept unterschiedlicher Zimmereinrichtungen heute „Design-Hotel“ heißt und recht weit verbreitet ist, bleibt das Pelirocco besonders: Sehr britisch trendy und eindeutig Stilkind seiner Zeit, trotzdem liebevoll handgemacht und persönlich – es gibt kein Hotel, in dem ich mich so entspannt fühle.

Allein schon die Anreise ist unkompliziert: Nach London Gatwick fliegen, mit dem Zug 40 Minuten nach Brighton fahren, vom Bahnhof sind es 15 Minuten zu Fuß ins Hotel, bergab und mit Blick aufs Meer.

Pin Up Parlour

Die 19 Zimmer des Hotels sind über sechs verschachtelte Stockwerke eines Altbaus verteilt, deren Treppen nach oben immer schmaler und steiler werden. Auch nach dem sechsten Aufenthalt sind mir der Grundriss und die Lage der Etagen zueinander unklar. Es gibt ein Appartement im Souterrain mit eigenem Eingang, dazu Doppelzimmer, Zweibett- und Einzelzimmer. Das Pelirocco liegt am Regency Square, einem Platz, der zur Strandpromenade offen ist und dort direkt auf den verfallenen West Pier geht. Urlaub heißt daher für mich, auf einer Chaiselonge im Bay Window meines Zimmers zu liegen, hin und wieder in dem Buch auf meinem Schoß zu lesen, meist aber aus dem Fenster auf Strand und Meer zu schauen: schlammgrünes Meer mit Gischt oder ölig graues ohne, karibikblaues Wasser mit Wellen unter Sonnenhimmel, dazu Wellenreiter, Segelboote, Kindergeschrei, oder Fahrradfahrer im Kampf gegen Regenstürme, alte Frauen mit Plastikhauben über der Blumenkohlfrisur, oder Jogger in der Abendsonne. (Echter Passivurlaub, nein, auch keine „Wellness“, dankeschön.)

Frühstück gibt’s ebenerdig in dem Raum mit wechselnder Kunst an den Wänden, der abends die Bar wird – nur dass abends dort geraucht werden darf und morgens nicht. Auf der Karte steht unter anderem das exotischste englischste Frühstück von allen: Eggs with soldiers. Das sind weich gekochte Eier (eggs), zu denen in Streifen geschnittener, gerösteter Toast (soldiers) serviert wird, den man in den Dotter tunkt.

Über den Winter gestalten die herzlichen jungen Besitzer immer ein paar Zimmer um, und mittlerweile buche ich gezielt die neu eingerichteten (Umzug während des Aufenthalts, um mehr als ein Zimmer auszuprobieren, ist kein Problem und üblich). Diesen Mai waren das extreme Gegensätze: der plüschige Pin Up Parlour (Foto oben) und der glatte weiße Ocean Room (unten).

The Ocean Room

Für mehr Bilder hier entlang.

Hotel Pelirocco
10 Regency Square
Brighton
BN1 2FG
+44-(0)1273-327055
info@hotelpelirocco.co.uk
(Doppelzimmer ab 90 £, jedes Zimmer mit Playstation ausgestattet.)
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kaltmamsell, 4. Juni 2005, 10:41
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