Den Stadtwald kennt jeder. Den Palmengarten auch. Gepflegte Pflanzenansammlungen, Nutzholzplantagen, nette grüne Kulisse zum Spazierengehen. Darüber vielleicht ein andermal.
Daß es in Frankfurt auch ein Naturschutzgebiet gibt, wissen die wenigsten, die östlich der Innenstadt wohnen. "Das ist ja wie auf Sylt!" freut sich die ältere Dame, die mit ihrer Begleitung über den Bohlenweg flaniert. Sie sieht aus, als wüßte sie, wovon sie spricht.
Eine andere Frau sitzt auf dem Bohlenweg, auf dem man das Gebiet durchquert, bohrt mit nackten Zehen im Sand, hört dabei Musik und guckt in die Spätsommersonne. Es riecht nach Kiefernharz, leise knacken die am Boden liegenden Zapfen und geben ihre flügeligen Samen frei. Still ist es, keine Straße brummt in der Nähe, nur die allgegenwärtigen Flugzeuge brummeln über den Himmel. In der Ferne Strommasten, sonst keine Zivilisation.
Die Schwanheimer Düne liegt schon seit zehntausend Jahren da, seit der letzten Eiszeit. Der Sand stammt aus dem Main, der damals noch mäandernd floß und ihn in diesem Tal, in den Mainauen, ablagerte. Jahrhundertelang war das Gebiet bewaldet, im 19. Jahrhundert rodeten Bauern die Bäume, um Kirschbäume anzupflanzen. Keine gute Idee, mehrere Trockenperioden setzten den Bäumen derart zu, daß man den Plan aufgab. Seitdem liegt die Düne brach. Und unbewaldet tat die Düne das, was Dünen eben so tun: Sie begann zu wandern.
Auf Sylt sind Dünen nichts besonderes, mitten im Land dagegen schon. Binnendünen zeichnen sich durch eine eigenartige Vegetation aus: Auf dem sandigen Magerrasen wachsen vor allem Silbergras, Moose, Flechten und andere niedere Bodendecker wie Sand-Grasnelke oder Bauernsenf. Von allen Baumarten kommen die Kiefern am besten mit diesem Boden zurecht, so daß auch ein kleiner Kiefernhain entstanden ist, der aber nichts mit den üblichen, geraden Waldkiefern zu tun hat. Hier wachsen sie ziemlich bizarr.
Der letzte Sturm hat reichlich Schäden an den Bäumen angerichtet, aber die umgewehten Kiefern und abgebrochenen Äste bleiben einfach liegen. Die morsch werdenden Überreste werden zur Zeit eifrig von Bunt- und Grünspechten bearbeitet, deren Hämmern durch die ganze Aue klingt.
Zwischen der Düne und dem Gelände der ehemaligen Hoechst-AG liegt die Schmitt'sche Grube, dort kann man, wenn man Glück hat, Teichrohrsänger, Kreuzkröten und anderes Wassergetier (zum Beispiel Libellen) beobachten. Wer im Industriepark Hoechst arbeitet, fährt nach Feierabend gern nochmal mit dem Werksfahrrad auf einen Abstecher durch's Grüne.
Auch das Gebiet um die Düne herum ist geschützt, es besteht vor allem aus Streuobstwiesen, die seit 2001 mithilfe einer Moorschnuckenherde beweidet und dadurch am Zuwachsen gehindert werden. An schönen Spätsommertagen riecht das ganze Gebiet nach vergärenden Äpfeln. Man bekommt dauernd Hunger, aber zugreifen ist erlaubt. Bizarre alte Apfelbäume tragen kleine, rotbackige und ziemlich süße Früchte, die natürlich nicht chemisch behandelt werden.
"Da bezahlense im Reformhaus ein Vermögen für", sagt der Apfelsammler, der, in die Beute beißend, ein Auge auf mein Fahrrad hat, während ich im Gebüsch herumkrieche. Ein freundlicher Orientale geht das Ganze noch professioneller an, mit Stock und Plastiktüte. Gibt ein paar ab. Sehr nett, danke.
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Erreichbar ist die Düne mit dem 51er Bus, bis Schwanheim Friedhof, dann nochmal 10 Minuten zu Fuß (zur Not Einheimische fragen). Aber am Besten fährt man natürlich mit dem Fahrrad hin.
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andreaffm, 13. Oktober 2004, 14:27