[Griechenland: Food]

Panorama, Piräus

Ausblick aus dem "Panorama"

„Hier unten“ sind am Yachthafen Mikrolimano in Piräus zahllose Fischrestaurants direkt am Wasser. Dass wir alle gerne Fisch essen, haben wir schon geklärt. Ochja, wir als Bayern sitzen dann doch gern mal Salzwasser, so als Abwechslung. Aber dann meint unser freundlicher Grieche, der in Deutschland studiert hat: „Das ist natürlich alles nur für Touristen. Wir können auch auf den Berg fahren und runter schauen beim Essen.“ Er biegt ab von der Hafenstraße, fährt die Gassen zwischen balkonreichen schmalen Wohnhäusern hinauf.

Wir halten vor einem unscheinbaren Lokal. Die Terasse ist leer und nicht gedeckt, den Einheimischen ist es wohl noch zu kühl zum Draußensitzen. Drinnen gibt es Neonlicht, nichts Schmückendes, kaum Gäste; neben der Tür zur offenen Küche sitzt ein uraltes Weiblein vor einem Schnapsglas mit klarer Flüssigkeit. Der Küche gegenüber sind riesige Fenster; uns wird ein Tisch davor zugewiesen. Wir reißen die Augen auf beim Panoramablick, der sogar die ferne Akropolis erahnen lässt, und seufzen. Unser griechischer Geschäftspartner berät sich mit dem Chef über die Speisenfolge; eine Karte bekommen wir erst gar nicht zu sehen. Dafür zeigt uns der Wirt in einer Plastikwanne einen großen, blasslilarötlichen bösezahnigen Fisch, den er wohl für uns zuzubereiten gedenkt und den unser Gastgeber auf seine Frische prüft. (Später erklärt er uns, dass man dazu mit dem Finger in den Bauch des Fisches pieksen muss: Wenn die Delle schnell verschwindet, ist der Fisch frisch.)

Wir kosten einen kühlen fruchtigen Weißwein aus dem Norden Griechenlands (Domaine Gerovassiliou). Ich lerne, dass mein altgriechisches Oinos (Wein) heute „Inos“ ausgesprochen wird. Der Kellner stellt eine Platte mit aufgeschnittenen Tomaten, roten Zwiebeln, riesigen violettgrünen Oliven und Oregano vor uns, dazu geröstetes Brot. Das ist nur der Auftakt für einen Reigen an Vorspeisentellern, von denen einer in Teig frittierte Garnelen trägt, der nächste frittierte Sardellen, dann kommt einer mit gekochten, marinierten Sardellen, zuletzt in Teig frittierte Calamares. Alles schmeckt frisch, saftig und köstlich, worüber ich besonders erleichter bin, da ich bei meinem letzten Attika-Aufenthalt zweimal gegrillten Pulpo serviert bekommen hatte, der durchdringend nach dem Gas seiner Grillflammen schmeckte.

Mittlerweile sind drei weitere Tische mit Gästen besetzt. Wir scherzen, nippen am Wein, der griechische Geschäftspartner berichtet von der Lage in seinen Märkten, wir berichten von den Veränderungen auf unserer Seite. Dann hat der große Fisch seinen Auftritt: Im Ganzen, aber filettiert, liegt er auf einer großen Platte. Unser Gastgeber serviert das großfasrige Fleisch, nimmt sich selbst lediglich den mächtigen Kopf. Dazu gibt es einen Salat aus Endivienstreifen, Frühlingszwiebeln und frischem Dill sowie eine schlichte Soße zum Fisch aus Olivenöl und Zitrone. Schon der erste Bissen Fisch verrät, dass er auf Holzfeuer gegart wurde, saftig und genau auf den Punkt. Ich kenne die heutigen griechischen Sitten des Gastmahls nicht: Sollte es ein Muss des guten Benehmens sein, ein Anstandsstück übrig zu lassen, dann verstoßen wir halt dagegen. Der Kellner räumt den Tisch, hat eine kurze hitzige Auseinandersetzung mit unserem Gastgeber. Als er weg ist, kichert unser Grieche: „Ich habe ihm vorgeworfen, dass der Fisch doch nicht wirklich frisch war. Dass muss man machen, damit der Wirt nicht übermütig wird.“

Wir bekommen heiße feuchte Handtücher. Während wir uns damit reinigen, deutet unser Gastgeber hinter sich und macht uns auf einen Herrn im gelben Fleece-Pulli aufmerksam, den er gerade gegrüßt hatte: „Ein Komiker, den man aus dem Fernsehen kennt.“

Da taucht die Nachspeise auf: Ein großer Teller aufgeschnittener dunkelroter Erdbeeren (ich lerne das griechische Wort „Fraula“), dazu ein Teller mit Eis und Ekmek, süßem Creme-Pistazienkuchen. Die Erdbeeren missfallen unserem Gastgeber: Er lässt sich Zucker und Brandy bringen, bestreut und überschüttet die Erdbeeren damit, mischt sie wie Salat, serviert uns von allem. Die Erbeeren sind so aromatisch, dass wir sie in Sekunden einschnaufen. Unser griechischer Gastgeber bestellt noch eine Platte voll. Dann lässt er eine Karaffe gekühlten Grappa kommen, derzeit sehr populär in Athen.

Der Chef, sagt unser Gastgeber, heißt übersetzt Freitag, und wir drei Deutschen versuchen uns an Scherzen, die Robinson enthalten.

Restaurant Panorama
18-20 Irakliou Str.
Piraeus
Griechenland
Tel. +30-210-4173475
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kaltmamsell, 11. Mai 2005, 21:33
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