Hoffnung für Berlin-Friedenau

Wer in Berlin-Friedenau umher stolpert und plötzlich Lust auf einen guten Kaffee bekommt, der hatte bisher ein handfestes Problem, weil es schlicht und einfach kein erträgliches Café gab. Gut, es gibt das „Tomasa Friedenau“, welches als legendäres Frühstückscafé gilt, weil man dort quasi rund um die Uhr Frühstück bekommt, doch ist dieses trotz vollmundiger Ankündigungen der Speisekarte qualitativ mehr als minderwertig und barock überladen, auch ist der Geräuschpegel im Restaurant unerträglich hoch. Der servierte Heimbs-Kaffee schmeckt zwar nicht mal übel, verursacht jedoch Sekunden nach der Einnahme üble und nachhaltige Diarrhöen. Das Café Melanie ist gleichfalls indiskutabel, der Kaffee dünn und viel zu heiß, die Coffee Bar Amarillo wiederum hat den Charme einer U-Bahn-Station Ende der Siebziger Jahre. Mitte 2004 wurde die Lücke geschlossen. Vasco Schüssler hat möglicherweise das kleinste Café Berlins eröffnet, die Café Bar 55. Es gibt 8 Sitz- und 8 Stehplätze. Die Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften ist groß. Der Kaffee schmeckt hervorragend. Die Espressomaschine arbeitet auf dem optimalen Arbeitspunkt. Schüssler begrüßt jeden Gast wie einen langjährigen Freund und bereitet auf Wunsch schnell und effizient kleine wohlschmeckende Speisen zu. Wann immer man das Café betritt, es sitzt ein eiserner, kleiner Trupp freundlicher Menschen dort beisammen, man kann eine Runde Scrabble spielen oder in Ruhe die Titanic lesen. Die gereichte Musik entspricht glücklicherweise nicht dem üblicherweise in Coffee Bars gereichten lateinamerikanischen „corazon“-lastigen oder gar nervig-elektronisch-chilligen Sound, statt dessen gibt es entweder Radio Eins oder erträgliches aus Vasco Schüsslers CD-Sammlung. Wer die Café Bar 55 betritt, kommt zur Ruhe. Man sollte dem Betreiber dieses Kleinods dafür ganz unbedingt danken.

Café Bar 55
Rheinstr. 55
12159 Berlin
(030) 85967040

Mo-Fr 08:30-20 Uhr
Sa 09-18 Uhr

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jochenausberlin, 2. Februar 2005, 15:49
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