
Fast jeden Samstag steht sie mit ihrem Stand am Sendlinger Tor, manchmal auch unter der Woche. Die kräftige Frau mit den langen dunklen Locken bietet keine gebundenen Sträuße an, sondern einfach nur die Blumen im Bund. Lilien und Rosen gibt es fast das ganze Jahr, vor Weihnachten Tannenkränze, derzeit Tulpen in allen Farben, Narzissen schon nicht mehr. Die Preise sind günstig; gegen (meist großzügig abgerundete) 15 Euro trage ich zwei Arme voll Blumen nach Hause. Zu jedem Kauf bekomme ich als Dreingabe ein wenig Blumenkunde in breitestem Bayerisch. Die Blumenfrau hat mir unter anderem beigebracht, dass man hartstielige Blumen (z.B. Rosen) möglichst tief ins Wasser stellt, weiche, fleischige Blumenstängel (z.B. Gerbera) hingegen in wenig Wasser. Dass man Knospen durch warmes Wasser schnell zum Erblühen bringt. Dass Tulpen in der Vase noch wachsen, was man beim Binden eines Straußes einkalkulieren muss. Die botanischen Namen sagt sie auch gerne noch dazu. Und sie mag es gar nicht, wenn man ihrer Fachkompetenz misstraut. Als sie mir für meine Strelizie ein Päckchen Blumen-Frisch-Pulver mitgab und ich nachhakte, ob das wirklich helfe, gingen ihre Augenbrauen hoch: „Sunst dad i’s Eana ja net ge’m.“
Einen kleiner Ratsch gehört ohnehin zu jedem Blumenkauf am Sendlinger Tor. Ich lasse mich darum beneiden, dass mein Bad ein großes Fenster hat, vor das ich hohe Blumen stellen kann. Oder sie erzählt mir, dass sie schon immer „ganz a Wuide“ war, im Gegensatz zur braven Schwester, und ihre Mutter sie als Kind scherzhaft glauben machte, die Zigeuner hätten sie gebracht.
Ein kurioses Detail kam heraus, als ich mich nicht so recht entscheiden konnte, ob ich duftende oder nicht-duftende Lilien nehmen sollte. Ich fragte sie, welche Sorte sie bevorzuge: „I? I konn dahoam gar koane Bluama ha’m, i bin allergisch.“ Als ich entgeistert sie und dann ihre Ware ansah, erklärte sie, dass sie deshalb ihren Beruf nur draußen ausüben könne, an einem Blumenstand im Freien.
Lisa Neun stellt sich die Standlfrau deshalb so vor:

am 24. April, 17:55 kommentierte
Irene: