In Wien gibt es die berühmten Beisln und als allabendlichen Papparazi-Arbeitsplätze die Glitzerbuden der B-Promis.
Das Pantoni ist nicht darunter.
Sollten wir in 20 Jahren uns fragen, was
Resopal denn war: hier könnte man es in situ bestaunen.
Man rechnet ja nicht damit, daß in einer scheinbar grundsoliden Wirtschaft ungewöhnliche Dinge geschehen würden.
Ebendrum geht man ja in 'was Normales.
Der Herr Martin ist der Wirt im Pontoni. Er trägt ein weisses Hemd, einen weissen Schaber und an Stelle eines Eheringes hat er ein Ring-Tatoo. Das habe ich nur ein einziges Mal gesehen, bei einem Paar, das mittlerweile keines mehr ist. Hätte mich stutzig machen sollen.
Der Herr Martin hat alles im Griff, poltert ein wenig, jovialisiert, mag sich, sein Leben und seine Gäste.
Der Herr Siegfried kommt hinzu auf ein Abendbierli und ins Gespräch mit dem Herrn Martin. Zwei Zwetschgen später spricht Herr Martin dem Landesfremden unverständlich. Herr Siegfried befördert sich zum Oberkellner und bedient aus dem Stand einen Doppeltisch hungriger Menschen.
Das macht er respektabel: schreibt zwar die Bestellungen haarklein aus (würde ein gelernter Kellner niemals nicht tun) und geht wegen jedem Tellerchen extra in die Küche (Frau Karin, CEO) aber besser, als sich vom Herrn Martin das Seidl auf die Hose kippen lassen ist das allemal.
Das Fiakergulasch kann ich Ihnen empfehlen, um 8,50.
Grüssen Sie mir den lieben Herrn Siegfried, Herr Martin. Morgen halt dann, wenn es sich heute nicht mehr ausgeht.
Auch sehr bewundern tu ich das im voraus ausgefüllte Reinigungszetterl (ohne Bild) in der Keramikabteilung. Ist ja eh' ein amerikanischer Schmarrn.
Ein schlichtes, schönes Wirtshaus mit unfreiwilliger Erlebnisgastronomie:
Pontoni
Schönbrunner Straße 77
1050 Wien
Tel: +43 1 544 99 44
Herrn Martins Öffnungszeiten - Mo bis Fr: 8 bis 24h
Frau Karins Küchenzeiten - Mo bis Fr: 11 bis 14h und 17 bis 23h
Auftritt Herr Siegfried - n/a
am 18. August, 11:15 kommentierte
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