Kleidung einzukaufen, finde ich langweilig bis unangenehm, deswegen drücke ich mich davor. Und doch kam ich vom gestrigen Kleidungskauf fröhlich und beflügelt nach Hause.
Ein Bekleidungsdesigner, der die Frauen wirklich versteht, ist selten. Wie sie Frauen anfixen, wissen sie alle: Sie stecken atemberaubende Idealfrauen in ihre Klamotten und halten den Kundinnen die Bilder vor die Nase. Die Frauen fallen darauf rein und wollen die Kleidungsstücke haben. Und dann stehen sie in der Umkleidekabine, schlüpfen in das umwerfende Teil – und versuchen sich verzweifelt daran zu erinnern, wie gut es aussehen kann.
Dicke Frauen haben es da leichter und schwerer. Zum einen machen wir uns gar nicht erst die Illusion, dass die Ware auf den Laufstegen irgend etwas mit uns zu tun haben könnte – selbst wenn wir das Geld dafür haben. EscadaPradaD&Gkookai-LaurenArmaniJilSanderStrenesseGucciDonnaKaran-GaultierVersace etc. schneidern höchstens bis Größe 42 – und kalkulieren selbst da meist nicht ein, dass eine Größe-42-Frau anders proportioniert ist als das Model für das 36-er Original. Wenn jemand sich wundert, dass ich bereits mich (Größe 46) als dick bezeichne: Diese magische 42-Grenze suggeriert es. Doch das bedeutet, dass wir Dicken erst mal Alternativen finden müssen.
Kleidungskauf, der meine Laune verbessert, statt mich mit gesenktem Kopf heim zu schicken, gibt es, seit ich letztes Jahr Mucom entdeckt habe. Ein Münchener Designer und Schneider mit lediglich zwei Läden, einer davon gleich um die Ecke von meiner Wohnung. Bislang bin ich noch auf jedes Teil, das ich von dort habe, regelmäßig mit Komplimenten angesprochen worden. Mucom macht Königinnen - kein „Kaschieren“, „Überspielen“, „das-ist-nur-mein-Übergangskörper-bis-ich-endlich-die-Diät-durchhalte“.
Es sind vor allem die Jacken, die den Mucom-Zauber bewirken: Noch nie gesehene Stoffe in großartigen Schnitten kommen jede Saison in mehreren Kollektions-Wellen in die beiden Läden. Monster-Bouclé, verwobene Geschenkbänder, der Bezug von Omas Sofa, das Ergebnis einer Filzaktion im nächstgelegenen Kindergarten – die Jacken beflügeln meine Phantasie. Als Verschlüsse dienen Riesenknöpfe, raffinierte Riegel, Knoten in Schlaufen. Das Demokratische daran: Die meisten Jacken schauen auch an schlanken Frauen gut aus.
Schlauchröcke, farblich passende Oberteile und bequeme Hosen bietet Mucom auch an. Sie sind unauffällig genug, um nicht mit den Jacken-Stars zu konkurrieren (na ja, das hole ich mir dann doch eher in der Dicken-Ecke von H&M).
Die meisten Jacken kosten um die 200 Euro, Hosen und Röcke um 100 Euro, passenden Modeschmuck gibt es auch.
Jetzt muss es nur noch kalt genug werden, damit ich die neue Jacke ausführen kann.
mucom
Sendlinger Straße 45
80331 München
Tel. 089 / 23 07 76 42